Wer kennt sie nicht, die kleinen roten Käfer mit den schwarzen Punkten? Schon als Kind freute man sich, wenn einer auf den Finger krabbelte. Und auch heute noch sieht man die Käfer gerne, denn wir wissen, dass sie eine große Hilfe im Garten sind, haben sie doch einen Heißhunger auf Blattläuse. Doch der Marienkäfer bekommt Konkurrenz und zwar aus Asien. Denn seit einigen Jahren ist der Asiatische Marienkäfer auf dem Vormarsch. Auch er vertilgt Blattläuse – und zwar deutlich mehr als unser heimischer Marienkäfer. Trotzdem ist er bei vielen nicht gerne gesehen.
Asiatischer Marienkäfer – ein Steckbrief
Name: Asiatischer Marienkäfer
Alternative Namen: Harlekin-Marienkäfer, Vielfarbiger Marienkäfer
Botanischer Name: Harmonia axyridis
Herkunft: Östliches Asien, China, Japan, Korea, Mongolei, Russland
Familie: Marienkäfer
Lebenserwartung: bis zu 3 Monate
Farbe: hellgelb bis dunkelrot
Flecken/Punkte: keine feste Anzahl, meist 19 (variiert zwischen 0 und 21)
Nahrung: Blattläuse, Schildläuse, Spinnmilben, andere Marienkäferarten bzw. deren Larven, Larven von Schmetterlingen, Larven von Gallmücken, Weintrauben
Natürliche Feinde: Vögel, Raubwanzen, Ameisen, parasitoide Wespen
Marienkäfer und Asiatischer Marienkäfer – die Unterschiede
Beim flüchtigen Hinsehen, kann man beide Marienkäfer durchaus verwechseln, wer jedoch genauer hinsieht, erkennt recht schnell die Unterschiede.
Merkmale | (Heimischer) Marienkäfer | Asiatischer Marienkäfer |
Farbe | Meist leuchtend rot. | Die Farbgebung ist extrem variabel und kann von Rot über Orange und Gelb bis zu Schwarz reichen. |
Punkte/Flecken | Feste Anzahl schwarzer Punkte (2 beim Zweipunkt-Marienkäfer, 7 beim Siebenpunkt-Marienkäfer). | Die Anzahl der Punkte ist nicht festgelegt und reicht von 0 bis 21. |
Körperform | Gleichmäßig, rundlich, relativ klein | Relativ groß, oval mit einem M- oder W-förmigen Muster auf dem Halsschild. |
Überwinterung | Sammeln sich in kleinen Gruppen oder überwintern alleine in geschützten Ecken, unter Rinde oder Laub. | Kommen in großen Gruppen zusammen und sind nicht selten in Häusern zu finden. |
Nahrung | Überwiegend Blattläuse, Spinnmilben, Wanzen | Blattläuse, Spinnmilben, Wanzen, Larven heimischer Marienkäfer, Larven von Schmetterlingen und Gallmücken, Weintrauben. |
Nahrungsmenge | Bis zu 50 Blattläuse am Tag | Bis zu 250 Blattläuse am Tag |
Lebensraum/Ausbreitung | Leben in spezifischen Habitaten und breiten sich nur lokal aus. | Breiten sich sehr schnell aus und können in einer Vielzahl von Habitaten überleben. |
Klima | Sind empfindlich gegenüber Klimaveränderungen. | Sind robust und passen sich an Umweltveränderungen an. |
Ökosystem | Haben viele natürliche Feinde, die Verbreitung hält sich somit in Grenzen. | Haben weniger natürliche Feinde und können sich schneller vermehren. |
Marienkäfer und der Mensch | Werden als nützliche Insekten geschätzt und bereiten selten Probleme. | Treten oft in großer Anzahl auf, insbesondere, wenn sie in Häusern überwintern. Sondern bei Gefahr ein stinkendes Sekret ab, das zu Allergien führen kann. Fressen auch gerne Weintrauben, sodass sie Landwirten schaden können. |
Wie sich der Asiatische Marienkäfers weltweit verbreiten konnte
Ursprünglich heimisch im östlichen Asien hat sich der Asiatische Marienkäfer mittlerweile auch in Europa und in den USA stark verbreitet. Das war allerdings kein Zufall, sondern menschengemacht. Bereits in den 1980er Jahren erkannte man, dass der Asiatische Marienkäfer deutlich mehr Blattläuse vertilgen kann, als heimische Arten. Daher wurde er gezielt zur Schädlingsbekämpfung in Gewächshäusern eingesetzt. Von dort büxten aber immer wieder Exemplare aus, sodass sich das Insekt in der Folge vermehren konnte. Ende der 80er Jahre begann die Ausbreitung in den USA, zur Jahrtausendwende hin dann auch in Europa, besonders in den Niederlanden, in Belgien und in Deutschland.
Der Lebenszyklus eines Asiatischen Marienkäfers
Wenn es draußen kalt wird, zieht sich der Asiatische Marienkäfer ins Warme zurück und erobert dabei nicht selten Gebäude und sogar Wohnungen. Wenn er dort ungestört die kalte Jahreszeit verbringen konnte, dann geht es wieder nach draußen, sobald die Sonne an Kraft gewinnt. Dies ist sehr oft bereits im Spätwinter der Fall. Dann wird aber noch nicht gefressen, dann wird erst einmal für Nachwuchs gesorgt. Hat man einen Partner gefunden und der Akt wurde vollstreckt, legen die Weibchen ihre gelben Eier (sie können bis zu 3.500 legen) immer zu 20 oder 30 Stück in der Nähe von Blattlauskolonien ab. Innerhalb von 3 Wochen häuten sich die Larven dreimal und werden beim vierten Mal zur Puppe. Nach weiteren 5 Tagen schlüpft dann der erwachsene Käfer.
Nun geht es los und der Asiatische Marienkäfer beginnt zu speisen. Die meisten der Insekten haben eine Lebenserwartung von 1 bis 3 Monaten, sie können aber unter Umständen auch mal 3 Jahre alt werden. Wird es dann im Herbst wieder kühl draußen, suchen sich die Marienkäfer ein warmes Winterquartier und warten dort wieder auf den Frühling.
Asiatischer Marienkäfer – ist er nun Schädling oder Nützling?
Tja, dies kann leider nicht so einfach beantwortet werden, denn Argumente gibt es für beide Behauptungen. So wird er von vielen als Nützling, von manchen aber auch als Schädling angesehen.
Argumente als Nützling | Argumente als Schädling |
Asiatische Marienkäfer fressen große Mengen an Blattläusen, oftmals das fünffache der heimischen Arten. | Der Asiatische Marienkäfer ist invasiv und verdrängt in vielen Regionen einheimische Marienkäferarten, was zu einem Ungleichgewicht in den Ökosystemen führt. |
Sie sind sehr effiziente Räuber und bedienen sich auch anderer weicher Insekten wie Schildläuse und Spinnmilben. | Da sich die Insekten nicht nur von Blattläusen und anderen Insekten ernähren, sondern auch von Früchten wie Weintrauben, kann es hier zu erheblichen Ernteverlusten kommen. |
Durch die starke Vermehrung können Schädlingspopulationen in kurzer Zeit drastisch reduziert werden. | Der Käfer frisst nicht nur Schädlinge, sondern auch andere Nützlinge, was den Bestand an einheimischen Arten zusätzlich gefährdet. |
Da sich der Asiatische Marienkäfer schnell an unterschiedliche Klimazonen anpassen kann und widerstandsfähiger ist, lässt er sich in vielen Bereichen effektiv gegen Schädlinge einsetzen. | Asiatische Marienkäfer überwintern gerne in Häusern und Wohnungen – dies kann zu erheblichen Belästigungen und Krankheiten (Allergien beim Menschen) führen. |
Warum der Marienkäfer Marienkäfer heißt
Vielleicht haben Sie sich schon immer gefragt, woher der Marienkäfer überhaupt seinen Namen hat. Blicken wir zum Schluss daher noch kurz in die Geschichte:
Der Name geht auf die Jungfrau Maria zurück. Im christlichen Europa wurde der Marienkäfer als ein Symbol des Schutzes und der Hilfe durch Maria verehrt. Das Insekt wurde als nützlicher Käfer angesehen, das die Felder vor Schädlingen schützt. Die rote Farbe des Käfers wurde mit dem roten Mantel der Jungfrau Maria assoziiert, die schwarzen Punkte als symbolische Darstellung ihrer Sorgen oder Tugenden. Übrigens sind auch in anderen Sprachen Bezüge zur Jungfrau Maria erkennbar, etwa im Englischen „Ladybug“ oder „Ladybird“, wobei „Lady“ ebenfalls auf die Jungfrau Maria verweist.