Jetzt wird es Zeit, viele Kaltkeimer auszusäen. Die Samen sollten noch vor dem Winter oder im sehr zeitigen Frühjahr ins Beet. Doch was genau sind Kaltkeimer? Und wie müssen die Anzuchtbedingungen für diese Samen sein?
Was sind Kaltkeimer?
Zu den Kaltkeimer gehören alle Pflanzen, deren Samen unbedingt einen Kälteschock zum Keimen benötigen. Kaltkeimer gibt es bei den Blumen ebenso wie bei den Kräutern, dem Getreide oder Gemüse. Die Samen müssen für eine gewisse Zeit kalt liegen. Erst dann beginnen sie zu keimen. Das hat die Natur ganz bewusst so eingerichtet. Kaltkeimer sind meist Pflanzen, die schon früh im Jahr Samen produzieren. Keimen die Samen sofort, wären die Jungpflanzen nicht robust genug, um über den Winter zu kommen. Die Samen keimen deshalb erst nach einer Kaltperiode im folgenden Jahr.
Wie lange müssen Kaltkeimer kalt liegen?
Das ist sehr unterschiedlich. Je nach Pflanzenart variiert die Zeit zwischen mehreren Wochen bis hin zu einigen Monaten. Der Prozess wird unter anderem durch das Pflanzenhormon Abscisinsäure gesteuert. Diese hemmt die Keimung. Erst durch die Kaltzeit wird das Hormon nach und nach abgebaut. Dann kann der Samen keimen. Auch die Temperaturen hängen von der Pflanzenart ab. Meist müssen sie bei mindestens – 5 bis + 5° C liegen.
Manche Kaltkeimer benötigen in den verschiedenen Entwicklungsphasen verschiedene Temperaturen. Dabei ist die Wasseraufnahme die erste Phase gefolgt von der Initialisierung der Keimung (2. Phase) und der Ausbildung der Laubblätter (3. Phase). Die erforderliche Kälteperiode ist übrigens sehr unterschiedlich. Zu den Rekordhaltern unter den Kaltkeimern gehört die Zaubernuss, die bis zu drei Jahre zum Keimen benötigt.
Welche Pflanzen gehören zu den Kaltkeimern?
Vor allem unter den Stauden und Gehölzen gibt es viele Kaltkeimer. Meist kommen diese Pflanzen aus den gemäßigten und subarktischen Zonen oder aus Gebirgsregionen. Dort, wo es große Temperaturunterschiede gibt – sehr kalte Winter und heiße Sommer – sind die meisten Pflanzen aus der Kategorie Kaltkeimer angesiedelt. Zu den bekanntesten Kaltkeimern gehören die Pfingstrosen, Bärlauch und Schlüsselblumen. Doch nicht nur Blumen und Kräuter sind Kaltkeimer.
Welche Obstarten sind Kaltkeimer?
Die meisten Obstarten, die aus unserer Region kommen, gehören zu den Kaltkeimern. Äpfel, Kirschen und Pflaumen sind ebenso Kaltkeimer wie Haselnüsse und Walnüsse. Aber auch Birnen und viele Wildobstarten gehören dazu.
Welche Gemüsearten sind Kaltkeimer?
Relativ wenig Kaltkeimer gibt es beim Gemüse. Das liegt daran, dass viele Gemüsearten, die wir heute im heimischen Garten kultivieren, aus wärmeren Regionen stammen. Kaltkeimer sind die Kerbelrübe, der Spinat, die Zuckerrübe und der Meerkohl. Andere Arten, wie der Salat, werden zwar häufig in den kalten Monaten ausgesät, sind aber keine Kaltkeimer. Sie werden nur deshalb früh ausgesät, da sie bei sommerlichen Temperaturen häufig schossen.
Welche Kräuter sind Kaltkeimer?
Bei den Kräutern gibt es einige Kaltkeimer. Neben dem Bärlauch sind auch Schnittlauch, Salbei, Dill, Arnika und Waldmeister Kaltkeimer. Es gehören aber noch einige andere Kräuter dazu. Erstaunlicherweise sind es nicht nur heimische Kräuter.
Welche Blumen sind Kaltkeimer?
Die meisten Kaltkeimer gibt es bei den Blumen und Stauden. Mohn, Alpenveilchen und Pfingstrose sind nur einige Kaltkeimer. Ebenso benötigen Christrosen, Bergflockenblume, Akelei und Kuhschelle den Kälteschock. Auch das Löwenmäulchen, die Königskerze und so manche Lichtnelken-Arten bevorzugt die niedrigen Temperaturen zum Keimen.
Welche Getreidesorten gehören zu den Kaltkeimern?
Winterweizen und Roggen sind typische Kaltkeimer, die die niedrigen Temperaturen benötigen. Kein Getreide, aber eine Nutzpflanze, ist der Hanf. Auch er benötigt die Kälte, um zu keimen.
Diese Pflanzen gehören zu den Kaltkeimern:
Blumen | Kräuter | Gemüse | Obst | Getreide |
Steinsame | Frauenmantel | Kerbelrübe | Heidelbeere | Winterweizen |
Phlox | Bärlauch | Meerkohl | Kirsche | Roggen |
Adonisröschen | Gänsefingerkraut | Spinat | Apfel | Hanf (Nutzpflanze) |
Bitterwurz | Gundermann | Zuckerrübe | Birne | |
Duftveilchen | Guter Heinrich | Pflaume | ||
Alpenveilchen | Waldmeister | Zwetschge | ||
Echte Schlüsselblume | Salbei | Haselnuss | ||
Echtes Seifenkraut | Dill | Walnuss | ||
Lungenkraut | Arnika | Kornelkirsche | ||
Pfingstrose | Schnittlauch | |||
Christrose | Lavendel | |||
Löwenmäulchen | ||||
Silberblatt | ||||
Kornblume | ||||
Mohn | ||||
Königskerze | ||||
Kornrade |
Wann ist der beste Aussaattermin für Kaltkeimer?
Der beste Zeitpunkt, Kaltkeimer auszusäen liegt im Herbst zwischen Oktober und November. Die Samen können Sie auch bis zum Januar in den Boden bringen. Sie können die Samen gleich an Ort und Stelle ausbringen oder in Anzuchttöpfe aussäen. Diese sollten dann aber im Freien überwintern. Über den Winter brauchen Sie sich nicht um die Samen kümmern. Ab März, wenn die Temperaturen wieder steigen, beginnt die Keimung. Das kann je nach Art bis zum April dauern. Säen Sie Kaltkeimer im Sommer, werden diese erst im nächsten Jahr keimen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Löwenmäulchen und Co sich nicht gleich zeigen.
Wie säen Sie Kaltkeimer aus?
Die Aussaat unterscheidet sich lediglich im Zeitpunkt von anderen Saaten. Säen Sie Kaltkeimer immer vor einer Kälteperiode. Einigen Kulturen reichen schon wenige Wochen bei kühlen Temperaturen. Es gibt aber auch Pflanzen, die mehrere Monate benötigen.
Kennzeichnen Sie die Aussaat gut, damit Sie auch im nächsten Frühjahr wissen, was Sie gesät haben. Gut ist es, wenn Sie die Samen vor Fraßschäden durch Vögel und Nager schützen. Säen Sie in Anzuchttöpfe, sollten Sie eine feine Aussaaterde verwenden. Wichtig ist, dass Sie die Samen nicht zu tief säen. Als Faustregel gilt: Je feiner der Samen, desto dünner sollte die deckende Erdschicht sein. Auf den Samentütchen ist eine Aussaattiefe meist angegeben.
Was ist Samen mit einer gebrochenen Keimruhe?
Einige Saatguthändler bieten Saatgut mit einer gebrochenen Keimruhe an. Diese Samen sind vorbehandelt und können sofort ausgesät werden, ohne dass sie einen Kältereiz benötigen. Das Saatgut ist meist gekennzeichnet. Meist sind das Samen, die eine lange Keimruhe haben. Diese Samen befinden sich in der Samentüte in einem „Wartezustand“. Einen kleinen Nachteil gibt es bei diesem Saatgut: Es ist nicht lange keimfähig und nur begrenzt haltbar.
Können Sie den Kaltkeimersamen auch im Kühlschrank zum Keimen bringen?
Ja, das funktioniert. Dazu füllen Sie einen Gefrierbeutel oder ein anderes geeignetes und verschließbares Gefäß mit einem Gemisch aus Anzuchterde und Sand im Verhältnis 1:1. Geben Sie die Samen in das Substrat und schließen Sie das Gefäß. Vergessen Sie nicht, dass Saatgut zu kennzeichnen. Dieses kommt nun ins Gemüsefach Ihres Kühlschrankes. Achten Sie darauf, dass das Substrat immer leicht feucht ist. Jetzt brauchen Sie Geduld. Die Samen sollten für mindestens drei bis vier Wochen im Kühlschrank stehen. Erst dann werden die Samen in Anzuchttöpfe ausgesät und an einen hellen Standort mit Temperaturen zwischen fünf und zwölf Grad gestellt.